Stichprobe des BUND oftmals mit Keimen belastet. In 11 der 20 Proben konnten Bakterien gefunden werden, die gegen Antibiotika resistent waren und schwere Erkrankungen auslösen können. Resistenzen gegen Antibiotika sind gefährlich, weil die Antibotika, die die Ärzte den Menschen verschreiben, möglicherweise nicht mehr wirken. Multiresistente Erreger führen zu Todesfällen

- Foto: Vynogradova/Fotolia
Das Ergebnis der jetzigen Stichprobe überrascht Fachleute keineswegs. Den massenhaften Einsatz von Antibotika in der Geflügelmast hat bereits im vergangenen Jahr eine groß angelegte Studie des
Verbraucherschutzministeriums in NRW belegt. Danach erhielten 96,4 Prozent der Hähnchen während ihrer 30 bis 35 Tage dauernden Mast Antibiotika. Das Problem: Wann immer Antibiotika eingesetzt werden, besteht das Risiko, dass sich Resistenzen entwickeln und ausbreiten. Bereits jetzt sterben nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts in Deutschland jährlich mehr als 15.000 Menschen an Infektionen mit multiresistenten Erregern, die nicht mehr mit Antibiotika zu behandeln sind. Unabhängig von den antibiotikaresistenten Keimen muss man bei tierischen Lebensmitteln grundsätzlich damit rechnen, dass sie krankheitserregende Bakterien enthalten können. So ist hinlänglich bekannt, dass Geflügel häufig mit Salmonellen und anderen Krankheitserregern belastet ist.
Weil fast immer Keime gefunden werden, bedeutet dies für den Verbraucher, beim Umgang mit Geflügelfleisch grundsätzlich bei der Lagerung, der Zubereitung und beim Garen die allgemeinen Hygieneregeln streng zu beachten, so macht er eventuell vorhandene Krankheitserreger unschädlich. Für Personen mit Hautverletzungen an den Händen ist es darüber hinaus ratsam, beim Kontakt mit rohem Geflügelfleisch Einmalhandschuhe zu tragen.
Die richtige Hygiene bewahrt vor Infektionen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt folgende Empfehlungen speziell für den hygienischen Umgang mit Geflügelfleisch:
Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt folgende Empfehlungen speziell für den hygienischen Umgang mit Geflügelfleisch:
- Rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, insbesondere wenn Letztere nicht noch einmal erhitzt werden!
- Frisches Geflügelfleisch maximal bei +4 °C aufbewahren und bis zum Ablauf des Verbrauchsdatums verarbeiten!
- Tiefgefrorenes Geflügelfleisch ohne Verpackung im Kühlschrank auftauen!
- Verpackungsmaterialien und Auftauwasser sofort sorgfältig entsorgen!
- Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohen Geflügelprodukten oder Auftauwasser in Berührung gekommen sind, vor der weiteren Verwendung gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen!
- Hände zwischen den einzelnen Zubereitungsschritten mit warmem Wasser und Seife gründlich reinigen!
- Geflügelfleisch ausreichend durchgaren, bis im Kern des Produktes mindestens +70 °C erreicht werden und das Fleisch eine durchgehend weißliche Farbe angenommen hat! Darauf sollte auch beim Grillen geachtet werden.
- Für die Zubereitung und Lagerung unterschiedliche Behältnisse und Gerätschaften verwenden; gegartes Geflügel nicht in ungereinigte, bereits für die Lagerung der rohen Produkte verwendete Gefäße legen!
Fleisch aus schonenderer Tierhaltung
Die häufige Verwendung von Antibiotika bei der Haltung von Masthähnchen macht deutlich, wie wenig tiergerecht diese Produktion ist. Wer diese Art der Geflügelhaltung nicht mehr weiter unterstützen will, kann auf Bio-Hähnchenfleisch ausweichen, sowie auf Hähnchenfleisch aus "extensiver Bodenhaltung" oder aus "Freilandhaltung". Bio-Hähnchen werden in kleineren Herden gehalten. Außerdem dürfen Antibiotika nur als letztes Mittel eingesetzt werden - und auch nur höchstens einmal. Sollte es erforderlich sein, noch einmal Antibiotika zu geben, darf das Fleisch nicht mehr als Bio-Ware vermarktet werden. Außer "Bio" gibt es nur noch zwei weitere gesetzlich geschützte Kennzeichnungen für Geflügel aus vergleichsweise schonenderer Tierhaltung: "Extensive Bodenhaltung" und "Freilandhaltung". Auch in diesen Haltungsformen haben die Tiere deutlich mehr Platz und wachsen langsamer. Das kommt nicht nur ihrem Wohlbefinden zugute, sondern verringert auch ihre Anfälligkeit für Krankheiten.
Allerdings ist solches Fleisch nach wie vor sehr knapp (schätzungsweise weniger als fünf Prozent des gesamten Marktangebots) und auch erheblich teurer als Geflügel aus der konventionellen Mast. So muss bei Bio-Hähnchenbrustfilet durchaus mit dem dreifachen Preis gegenüber dem Billigangebot von Discountern gerechnet werden.Der Verbraucher kann mit seinem Einkauf deutlich machen, dass er diese intensive Tierhaltung, auch wegen ihrer möglichen Gefahren, nicht akzeptiert.
Weitere Informationen zu Huhn und Pute.


